Ersthelfer benennen: So machst du deine Mitarbeiter im Notfall sichtbar

Veröffentlicht am 23. Februar 2026 um 12:00

Ein Kollege bricht zusammen. Panik bricht aus. Jemand schreit: "Holt einen Ersthelfer!" Aber wer ist das eigentlich? Wo findet man die? Und wie schnell kann man sie erreichen? In solchen Momenten zählt jede Sekunde – und genau deshalb ist die richtige Kennzeichnung deiner Ersthelfer so wichtig. Lass uns mal ehrlich darüber sprechen, was wirklich funktioniert und was nur Pflichterfüllung ist.

 

## Die gesetzliche Pflicht: Was du MINDESTENS machen musst

 

Fangen wir mit dem an, was du laut Gesetz machen musst. Nach § 24 Absatz 5 der DGUV Vorschrift 1 bist du als Arbeitgeber verpflichtet, durch Aushänge oder in anderer geeigneter Form Hinweise über die Erste Hilfe im Betrieb anzubringen.

 

**Was konkret auf dem Aushang stehen muss:**

- Die Namen der Ersthelfer (und ggf. Betriebssanitäter)

- Die Standorte der Erste-Hilfe-Einrichtungen

- Die Notrufnummern

- Optional: Abteilung, Raumnummer, Telefonnummer der Ersthelfer

 

Das klassische DGUV-Plakat "Erste Hilfe" (DIN A3) erfüllt diese Anforderungen und kann bei der Berufsgenossenschaft bestellt werden. Dort trägst du die entsprechenden Informationen handschriftlich ein.

 

**Wo muss der Aushang hin?**

- An gut sichtbaren, zentralen Stellen

- In Pausenräumen

- Am Schwarzen Brett

- In der Nähe von Erste-Hilfe-Kästen

- Bei größeren Betrieben: An mehreren Stellen

 

Soweit die Pflicht. Aber seien wir ehrlich: Ein Zettel am Schwarzen Brett reicht im Ernstfall oft nicht.

 

## Das Problem mit dem klassischen Aushang

 

Stell dir mal vor: Du bist neu im Unternehmen, kennst kaum jemanden. Plötzlich passiert ein Unfall. Du läufst zum Schwarzen Brett, liest "Ersthelfer: Thomas Müller, Produktion, Halle 2". Super. Und wie sieht Thomas Müller aus? Wo genau in Halle 2 ist er? Und ist er überhaupt gerade da oder im Urlaub?

 

**Die Schwachstellen des reinen Aushangs:**

- Hilft nur, wenn man die Person auch persönlich kennt

- Funktioniert schlecht bei größeren Betrieben

- Ist oft nicht aktuell (Urlaub, Krankheit, Wechsel)

- Wird im Notfall nicht gefunden (wer rennt erst zum Schwarzen Brett?)

- Bei Baustellen oder wechselnden Arbeitsorten unpraktisch

 

Das heißt nicht, dass der Aushang schlecht ist – er ist wichtig und Pflicht! Aber er sollte nicht deine EINZIGE Maßnahme sein.

 

## Kennzeichnung direkt am Arbeitsplatz: Die praktischen Lösungen

 

Jetzt kommen wir zu den Methoden, die im Ernstfall wirklich helfen. Die gute Nachricht: Es gibt keine Vorschrift, die dir sagt, WIE GENAU du deine Ersthelfer kennzeichnen musst. Du hast also Gestaltungsfreiheit!

 

### 1. Helmaufkleber (für Produktions- und Baubetriebe)

 

In Betrieben, in denen Helme getragen werden, sind Helmaufkleber die einfachste und effektivste Lösung:

 

**Die Vorteile:**

- Sofort erkennbar, auch aus der Distanz

- Kostet fast nichts (oft kostenlos bei der BG erhältlich!)

- Einfach anzubringen

- Wetter- und UV-beständig

- Funktioniert auch bei lauter Umgebung

 

**So geht's:**

- Helmaufkleber mit dem grünen Erste-Hilfe-Kreuz und "Ersthelfer"-Schriftzug

- Meist auf der Vorder- oder Seitenfläche des Helms

- Durchmesser etwa 40 mm

- Selbstklebend

 

**Praxistipp:** Wenn ein Mitarbeiter aufhört, Ersthelfer zu sein (Kündigung, abgelaufene Schulung), muss der Aufkleber entfernt werden. Sonst wird's im Notfall chaotisch.

 

### 2. Warnwesten oder Überwürfe (für größere Betriebe und Notfälle)

 

Besonders clever für größere Betriebe: Spezielle Westen, die im Notfall angezogen werden:

 

**Das Konzept:**

- Leuchtend farbige Westen (z.B. lila für Ersthelfer, rot für Brandschutzhelfer)

- Mit großem "Ersthelfer"-Aufdruck auf Vorder- und Rückseite

- Lagern an zentralen Stellen (z.B. beim Erste-Hilfe-Kasten)

- Werden im Notfall ÜBER die normale Arbeitskleidung gezogen

 

**Die Vorteile:**

- Aus 50 Metern Entfernung erkennbar

- Auch für den eintreffenden Rettungsdienst sofort klar

- Funktioniert unabhängig von der normalen Kleidung

- Mehrere Ersthelfer können unterschieden werden

- Kosteneffizient (weniger Westen als Ersthelfer nötig)

 

**Beispiel aus der Praxis:**

Ein großer Logistikbetrieb bei Koblenz hat verschiedenfarbige Westen:

- Orange: Ersthelfer

- Rot: Brandschutzhelfer

- Grün: Evakuierungshelfer

- Gelb-Rot: Führungskräfte

 

Im Notfall weiß jeder sofort, wer welche Rolle hat. Der eintreffende Rettungsdienst kann auf einen Blick Ersthelfer identifizieren und ansprechen.

 

### 3. Aufnäher oder Badges auf der Arbeitskleidung

 

Bei Betrieben mit einheitlicher Arbeitskleidung (z.B. Blaumann, Firmen-Polo) funktionieren Aufnäher gut:

 

**Die Varianten:**

- Aufgenähte Patches mit Erste-Hilfe-Kreuz

- Aufbügelbare Aufnäher (einfacher zu wechseln)

- Ansteck-Buttons (flexibler, aber weniger haltbar)

 

**Die Vorteile:**

- Permanent sichtbar während der Arbeitszeit

- Schafft Stolz und Anerkennung ("Ich bin Ersthelfer!")

- Professioneller Eindruck

- Gut bei Betrieben mit Kundenkontakt

 

**Die Nachteile:**

- Aufwand beim Wechsel der Ersthelfer

- Nicht ideal bei häufig wechselnden Ersthelfern

- Muss bei jeder Kleidungsausgabe mitbedacht werden

 

### 4. Namensschilder mit Zusatzinfo

 

Wenn deine Mitarbeiter sowieso Namensschilder tragen (z.B. im Einzelhandel, in Kliniken), kannst du diese um einen Zusatz erweitern:

 

**So geht's:**

- Kleiner Aufkleber oder Aufdruck: "Ersthelfer"

- Grünes Erste-Hilfe-Symbol am Namensschild

- Farbiger Rahmen um das Namensschild

 

Das ist besonders praktisch bei Betrieben mit viel Publikumsverkehr – auch Kunden können dann im Notfall gezielt nach Ersthelfern fragen.

 

### 5. Foto-Aushänge mit Gesichtern

 

Eine moderne Variante des klassischen Aushangs: Ein Plakat mit Fotos!

 

**Der Aufbau:**

- Fotos der Ersthelfer (mit Einverständnis!)

- Name und Abteilung/Arbeitsbereich

- Eventuell Telefonnummer

- An mehreren zentralen Stellen aufgehängt

 

**Die Vorteile:**

- Auch für neue Mitarbeiter sofort klar, WER Ersthelfer ist

- Besonders hilfreich bei Leiharbeitern oder Besuchern

- Menschlich und persönlich

- Einfach zu aktualisieren (Foto austauschen)

 

**Die Nachteile:**

- Datenschutz beachten (Einwilligung einholen!)

- Muss regelmäßig aktualisiert werden

- Funktioniert nicht bei wechselnden Arbeitsorten

 

### 6. Digitale Lösungen (für moderne Betriebe)

 

In Zeiten von Smartphones und digitalen Tools gibt's auch moderne Ansätze:

 

**Möglichkeiten:**

- Intranet mit aktueller Ersthelfer-Liste und Fotos

- App mit "Ersthelfer rufen"-Button

- Digitaler Schichtplan mit Markierung der anwesenden Ersthelfer

- QR-Codes an Maschinen, die zur Ersthelfer-Info führen

 

**Wann sinnvoll?**

- Bei technikaffinen Belegschaften

- In Büros mit digitaler Infrastruktur

- Als ERGÄNZUNG zu analogen Methoden (nicht als Ersatz!)

 

**Achtung:** Im Notfall ist oft keine Zeit zum Handy-Rausholen. Digitale Lösungen sollten immer nur zusätzlich genutzt werden.

 

## Was ist NICHT Pflicht (aber trotzdem gut)?

 

Lass uns kurz klarstellen, was du NICHT machen musst:

 

**Keine Pflicht zur persönlichen Kennzeichnung:**

Anders als manchmal angenommen, gibt es KEINE gesetzliche Pflicht, dass Ersthelfer an ihrer Kleidung oder ihrem Helm erkennbar sein müssen. Die Pflicht beschränkt sich auf die Information (Aushang, Liste).

 

**Aber:** Bei größeren Betrieben oder in kritischen Branchen ist eine direkte Kennzeichnung trotzdem sehr sinnvoll – aus Gründen der Arbeitssicherheit und Effizienz im Notfall.

 

## Die beste Lösung für verschiedene Betriebstypen

 

Jetzt fragst du dich vielleicht: Was passt denn zu MEINEM Betrieb? Hier meine Empfehlungen:

 

### Kleiner Betrieb (bis 20 Mitarbeiter)

**Minimum:** Aushang am Schwarzen Brett

**Empfehlung:** Zusätzlich Helmaufkleber (falls Helme) oder Info im Pausenraum mit Foto

**Begründung:** Alle kennen sich, persönliche Kennzeichnung meist nicht nötig

 

### Mittelständisches Produktionsunternehmen (20-200 Mitarbeiter)

**Minimum:** Aushänge an mehreren Stellen

**Empfehlung:** Helmaufkleber + Foto-Aushang + Notfall-Westen

**Begründung:** Nicht jeder kennt jeden, schnelle Identifikation im Notfall wichtig

 

### Großbetrieb (200+ Mitarbeiter)

**Minimum:** Aushänge an allen Standorten/Abteilungen

**Empfehlung:** Komplettes System mit Helm-/Kleidungskennzeichnung + Notfall-Westen + digitaler Liste + Foto-Aushänge

**Begründung:** Hohe Anonymität, viele Schichten, oft Externe (Dienstleister, Besucher)

 

### Bauunternehmen oder mobile Teams

**Minimum:** Liste der Ersthelfer bei jedem Einsatz

**Empfehlung:** Helmaufkleber + Warnwesten + aktualisierte Tagesliste

**Begründung:** Wechselnde Arbeitsort, oft externe Helfer oder Subunternehmer vor Ort

 

### Büro-/Verwaltungsbetrieb

**Minimum:** Aushang in Pausenraum und bei Erste-Hilfe-Kasten

**Empfehlung:** Foto-Aushang + optionale Namensschilder-Kennzeichnung + digitale Liste im Intranet

**Begründung:** Überschaubare Räumlichkeiten, aber oft Besucher und wechselnde Mitarbeiter

 

## Häufige Fehler bei der Ersthelfer-Kennzeichnung

 

Aus meiner Erfahrung als Ausbilder sehe ich immer wieder die gleichen Fehler. Lass uns die mal durchgehen:

 

### Fehler 1: Der Aushang ist nicht aktuell

 

Du hängst einmal ein Plakat auf und vergisst es dann. Nach zwei Jahren sind drei der vier genannten Ersthelfer gar nicht mehr im Unternehmen. Im Notfall führt das zu Chaos und Zeitverlust.

 

**Lösung:** Quartalsweise Kontrolle! Trag dir einen Reminder ein.

 

### Fehler 2: Nur EIN Aushang im ganzen Betrieb

 

In einer großen Produktionshalle hängt ein Plakat – ganz hinten beim Personaleingang. Das hilft niemandem.

 

**Lösung:** Mehrere Aushänge an strategischen Punkten (Eingänge, Pausenräume, bei jedem Erste-Hilfe-Kasten).

 

### Fehler 3: Kennzeichnung ohne System

 

Manche Mitarbeiter haben Aufkleber am Helm, andere nicht – obwohl alle Ersthelfer sind. Oder: Die Kennzeichnung ist so unauffällig, dass sie niemand bemerkt.

 

**Lösung:** Einheitliches System für ALLE Ersthelfer. Und auffällig genug, um im Notfall wirklich zu helfen.

 

### Fehler 4: Vergessen, Kennzeichnung zu entfernen

 

Ein Mitarbeiter ist nicht mehr Ersthelfer (Schulung abgelaufen, neue Rolle, Kündigung), trägt aber noch den Aufkleber oder Aufnäher. Im Notfall wird er angesprochen – und kann nicht helfen.

 

**Lösung:** Bei jeder Änderung sofort auch die Kennzeichnung anpassen!

 

### Fehler 5: Datenschutz ignoriert

 

Du hängst Fotos auf ohne Einwilligung der Mitarbeiter. Das ist nicht nur unhöflich, sondern auch rechtlich problematisch (DSGVO).

 

**Lösung:** Immer schriftliche Einwilligung einholen, bevor du Fotos oder Namen öffentlich machst.

 

## Kombiniere analog und digital für maximale Sicherheit

 

Meine Empfehlung: Nutze mehrere Methoden gleichzeitig!

 

**Das optimale Setup für einen mittleren Betrieb:**

 

  1. **Pflicht:** Aushänge nach DGUV an mehreren Stellen
  2. **Sichtbar:** Helmaufkleber oder Kleidungskennzeichnung
  3. **Notfall:** Warnwesten für schnelle Identifikation
  4. **Modern:** Digitale Liste im Intranet (immer aktuell!)
  5. **Persönlich:** Foto-Aushang im Pausenraum

 

So deckst du alle Szenarien ab:

- Neue Mitarbeiter sehen die Fotos im Pausenraum

- Im Notfall sind Helme/Westen sofort erkennbar

- Der Rettungsdienst findet durch Westen schnell die Ersthelfer

- Digital kannst du schnell nachschauen, wer heute Schicht hat

 

## Rechtliche Absicherung: Dokumentiere alles!

 

Ein oft übersehener Punkt: Du solltest dokumentieren, dass du deine Ersthelfer benannt und gekennzeichnet hast.

 

**Was du aufbewahren solltest:**

- Liste aller Ersthelfer mit Ausbildungsdatum

- Fotos der Aushänge (Beweissicherung)

- Einwilligungserklärungen bei Foto-Aushängen

- Schulungsnachweise

 

Im Fall einer Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft oder nach einem Unfall kannst du so nachweisen, dass du alles richtig gemacht hast.

 

## Praktische Tipps für die Umsetzung

 

Du fragst dich jetzt vielleicht: "Okay, das klingt alles gut – aber wie fange ich an?"

 

**Dein 5-Schritte-Plan:**

 

**Schritt 1: Bestandsaufnahme (1 Tag)**

- Wer sind aktuell meine Ersthelfer?

- Wo arbeiten sie?

- Welche Kennzeichnung haben wir schon?

 

**Schritt 2: System wählen (1 Tag)**

- Welche Kennzeichnung passt zu meinem Betrieb?

- Budget festlegen (meist sehr gering!)

- Material bestellen (Aufkleber, Westen, etc.)

 

**Schritt 3: Aushänge aktualisieren (2 Stunden)**

- Alte Aushänge abhängen

- Neue Aushänge mit aktuellen Namen erstellen

- An mehreren Stellen aufhängen

 

**Schritt 4: Direkte Kennzeichnung anbringen (halber Tag)**

- Helmaufkleber aufkleben

- Westen beschriften und verteilen

- Aufnäher anbringen lassen

 

**Schritt 5: Mitarbeiter informieren (1 Stunde)**

- Kurze Info in Teambesprechung oder per Mail

- Erklären, wo die Ersthelfer zu finden sind

- Bei Fragen zur Verfügung stehen

 

**Gesamtaufwand:** 2-3 Arbeitstage verteilt über eine Woche

**Kosten:** Je nach System 50-300 Euro

**Nutzen:** Unbezahlbar im Ernstfall!

 

## Fazit: Kennzeichnung ist mehr als Pflichterfüllung

 

Lass uns ehrlich sein: Der gesetzlich vorgeschriebene Aushang am Schwarzen Brett ist wichtig. Aber er reicht oft nicht aus, um im echten Notfall schnell zu helfen.

 

**Die wichtigsten Punkte nochmal:**

- Pflicht: Aushang mit Namen der Ersthelfer

- Sinnvoll: Zusätzliche direkte Kennzeichnung (Helm, Kleidung, Westen)

- Entscheidend: System muss zu DEINEM Betrieb passen

- Wichtig: Regelmäßig aktualisieren!

- Optimal: Mehrere Methoden kombinieren

 

Deine Ersthelfer sind im Notfall Gold wert. Mach sie sichtbar! Nicht wegen der Vorschrift, sondern weil es im Ernstfall Leben retten kann.

 

Denn am Ende geht es darum: Wenn ein Kollege zusammenbricht, soll nicht wertvolle Zeit mit der Suche nach dem Ersthelfer verloren gehen. Jede Sekunde zählt.

 

**Mach deine Ersthelfer sichtbar – es kann Leben retten!**

 

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*Dieser Artikel wurde von deiner Erste-Hilfe-Schule in Windhagen erstellt. Wir schulen betriebliche Ersthelfer im gesamten Raum Windhagen, Köln, Bonn, Neuwied, Koblenz oder dazwischen – und beraten dich gerne zur optimalen Kennzeichnung in deinem Betrieb.*

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